Was ist eine Bandscheibe?

Eine Bandscheibe ist eine Pufferscheibe bestehend aus einem Knorpelring und einem zentralen Gallertkern. Zwei benachbarte Wirbelkörper werden jeweils durch eine dazwischen liegende Bandscheibe gleich Zwischenwirbelscheibe getrennt. Die Bandscheibe hat an ihrer hinteren Begrenzung Kontakt zur Rückenmarkshaut und den aus dem Rückenmark entspringenden Nerven.

Wie ist die normale Entwicklung der Bandscheibe im Laufe des Lebens?

Bereits im jungen Erwachsenenalter beginnt die Bandscheibe Wasser zu verlieren und damit auch Elastizität. Dieser Prozeß setzt sich fort und  wird schließlich auch an einer Größenabnahme des Menschen erkennbar. Die größte Anfälligkeit für bandscheibenbedingte Wirbelsäulenbeschwerden besteht im mittleren Erwachsenenalter, da der Körper im weiteren Alterungsprozeß Anpassungsmechanismen in Gang setzt, die zu einer Entlastung der Bandscheiben führen. Bandscheibenbedingte Beschwerden der Wirbelsäule gehören somit im mittleren Erwachsenenalter (30 bis 60) zu unserer naturgegebenen „Grundausstattung“, wobei Beschwerdeform und -intensität von Mensch zu Mensch natürlich unterschiedlich sind. In jedem Falle gibt es aber Möglichkeiten zur Vorbeugung und Behandlung. Bandscheibenschäden können sich prinzipiell überall an der WS entwickeln. Am häufigsten betroffen sind jedoch die untere Lenden- und die untere Halswirbelsäule.

Was ist eine Bandscheibenvorwölbung?

Bei der Bandscheibenvorwölbung (Protrusio) verschiebt sich die Bandscheibe um wenige Millimeter nach hinten und kann dann akut die Rückenmarkshaut oder auch - nerven reizen. Dieser Vorgang ist durch entsprechende Behandlung z.B. entlastende Lagerung (Stufenbett), Wärme und Medikamente oft schnell rückgängig zu machen. Es gibt aber auch sich schleichend entwickelnde Vorwölbungen, an die der Körper sich gewöhnt und die dann meist keine Schmerzen verursachen

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Bei einem Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps) bricht ein Stückchen einer Bandscheibe ab. Je nachdem, wo dieses zu liegen kommt, kann es Druck auf die Rückenmarkshaut oder einen Rückenmarksnerv ausüben. Es können entsprechende Symptome (Schmerzen, Gefühlsstörungen, Kraftverlust) örtlich aber auch in eine Extremität fortgeleitet entstehen. Aber: nicht jeder Bandscheibenvorfall verursacht Beschwerden, nicht jeder Extremitätenschmerz in Kombination mit Rumpfschmerz und Gefühlsstörung ist auf einen Bandscheibenvorfall zurückzuführen. Ein abgebrochenes und verlagertes Bandscheibenstückchen (Prolaps) kann nicht wie eine vorgewölbte Bandscheibe wieder an ihren Ursprungsort zurück; ein Bandscheibenvorfall braucht eine längere Heilzeit durch Abschwellen des gedrückten Gewebes (Wochen) und Wasserentzug (Schrumpfung) des abgebrochenen Teilchens (Monate). Schmerzreduktion tritt in der Regel bereits nach genügender Abschwellung ein.

 

Wie ist die Therapie des Bandscheibenvorfalls?

Allgemeine Therapierichtlinien:

90 % aller Bandscheibenvorfälle heilen konservativ d.h. ohne Operation. Hierzu muss zuerst eine ausreichende Entlastung und Abschwellung des gedrückten Gewebes erreicht werden; danach muss die weitere Selbstheilung nämlich Schrumpfung des abgebrochenen Bandscheibenteilchens unterstützt werden. Da durch eine operative Behandlung das Ausheilergebnis weder schneller noch besser erreicht wird, sollten nur solche Patienten operiert werden, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen: Auftreten von Muskel- oder Blasen-Darm-Lähmungen (absolute OP-Indikation), zu starke Schmerzen und/oder zu lange erfolglose konservative Behandlung (relative OP-Indikation).  Ob konservative oder operative Behandlung, es muss mit einer Behandlungsdauer und damit auch eingeschränkten Arbeitsfähigkeit von ca.4 bis 12 Wochen gerechnet werden.

Konservative Behandlung:

prinzipiell ist jede Behandlungsmaßnahme, die den Beinschmerz verstärkt oder Gefühlsstörungen im Bein hervorruft, abzubrechen.

1)  Entlastung der Bandscheibe:

· schmerzfreie Lagerung, oft sogenanntes Stufenbett.
Aber auch jede andere Lagerung, die die Schmerzen lindert ist richtig.

· Zugbehandlung der Wirbelsäule: z.B. mit Extentionsgerät, im Schlingentisch oder krankengymnastisch

2)  Abschwellende und Schmerz bekämpfende Maßnahmen:

· entsprechende Medikamente als Tabletten oder Infusion aber auch als gezielte Injektionen (Neuraltherapie) an die gereizten Nerven- und Muskelstrukturen (z.B. PRT)

· Elektrotherapie (z.B. Nemectrodyn, Stangerbad)

3)  Muskelentspannende Maßnahmen

· Medikamente

· physikalische Behandlung z.B. Wärme, Massagen

4)  Ergänzende Maßnahmen: z.B. Akupunktur

5)  Stabilisierende Maßnahmen: nach Besserung der Beschwerden

· Krankengymnastik

· Muskelaufbautraining

· Rückenschule

· Lendenstützbandage (z.B. für körperlich schwere Arbeit)   

Operative Behandlung:

wenn eine Operation erforderlich wird, so muss in einem Großteil der Fälle die so genannte offene Entfernung des abgebrochenen Bandscheibenstückchens erfolgen. Über der Verwendung eines Mikroskops versucht man den Operationsschnitt und damit auch die notwendigen Durchtrennungen des tieferen Gewebes so klein wie möglich zu halten. Die Erfolgschancen der Operation liegen bei ca. 90 %.

Bei einem kleineren Teil der Patienten kann ein so genannter gedeckter Eingriff vorgenommen werden. Hier muss das abgebrochene Bandscheibenstückchen aber noch im Verbund mit der Bandscheibe sein. Man kann dann über eine lange Kanüle Flüssigkeit in die erkrankte Bandscheibe einspritzen (Chemonukleolyse), die diese teilweise auflöst oder über ein Rohr Bandscheibengewebe zerkleinern (z.B. auch mittels Laserstrahlen) und absaugen. Die Erfolgsquoten dieser Verfahren liegen bei 60 bis 70%.  Sie können ohne Narkose in örtlicher Betäubung vorgenommen werden.

Vorbeugende Maßnahmen nach Abheilen des Bandscheibenvorfalls:

Fortführen der erlernten stabilisierenden Übungen und

Rückenschultechniken

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