Die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) ist eine Fortentwicklung der Lithotrypsie, d.h. der Zertrümmerung von (Nieren)steinen. Die therapeutische Anwendung von Stoßwellen in der Orthopädie erfordert wesentlich geringere Impulsenergien und muss deshalb nicht in Allgemeinnarkose durchgeführt werden. Stoßwellen sind kurze, druckstarke Schallimpulse, die elektrohydraulisch, piezo-elektrisch oder elektromagnetisch erzeugt werden. Sie werden auch in der Orthopädie zum Abbau von Kalkdepots z.B. an der Schulter oder am Hüftknochen eingesetzt. Darüber hinaus haben sich aber auch heilende Effekte bei chronischen Sehnenerkrankungen gezeigt. Hierzu ist der Wirkmechanismus allerdings noch nicht sicher nachgewiesen.

Indikationen für die EWST (nach den Richtlinien der deutschen u. intern. Gesellschaft für Stoßwellentherapie DIGEST): Kalkschulter, chron. Tennisarm (Epikondylitis radialis), Fersensporn sowie hypertrophe Pseudarthrosen (Falschgelenke). Bei diesen Erkrankungen wurden Behandlungserfolge bei ca. 60 % der Fälle gesehen. Weitere mögliche Anwendungsgebiete sind u. a. Patellaspit-zensyndrom, Achillodynie (chron. Achillessehnenschmerz), Schleimbeutelentzündungen z.B. am Hüftknochen.

Behandlungsablauf: Mit Ausnahme der Therapie von Pseudarthrosen, bei der hohe Energien zum Einsatz kommen, erfolgt die Behandlung ambulant, manchmal in örtlicher Betäubung. In einem Zeitraum von ca. 10 Minuten werden in der Regel 2000 Impulse in das Behandlungsgebiet eingebracht. Der Patient verspürt eine Art "Nadeln", welches in seiner Intensität gut spürbar aber auch gut erträglich steuerbar ist. Die Ankopplung an den Applikator erfolgt über Ultraschallgel. In der Regel sind 4 bis 5 Sitzungen mit 2-wöchentlichem Abstand erforderlich. In jedem Fall erfordert die Entscheidung zu einer ESWT eine ärztliche individuelle Untersuchung und Beratung.

Nebenwirkungen: In seltenen Fällen kommt es zur Ausbildung von Blutergüssen oder Hautreizungen. Schwere Gewebsschädigungen wurden bisher nicht beobachtet.

Die ESWT gehört zu den so genannten individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL), d.h. sie wird von den Gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Für die Abrechnung nach GOÄ gibt es offizielle Analogziffern, so dass die Privatversicherungen die Behandlungskosten in aller Regel übernehmen. In jedem Fall erhält der Patient vor der Behandlung eine Kostenaufstellung, welche zunächst der Versicherung vorgelegt werden sollte.

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