Die Epikondylitis humeri radialis wird im Volksmund oft als Tennisarm bezeichnet. Sie entsteht durch eine akute oder chronische Überlastung der Sehnenursprünge der Unterarm- und Handstreckmuskulatur am Außenknochen des Ellenbogens. Häufige Ursachen sind lang anhaltende monotone Tätigkeiten wie z.B. Schneidearbeiten (Rosen, Hecke, Papier etc.), sportliche Überlastungen z.B. durch falsche Technik (Tennis: spät getroffene Rückhand, harte Bespannung, falsche Griffstärke) oder auch akute Verletzungen z. B. Anschlagen des Ellenbogens. Typische Symptome sind Ellenbogenschmerzen mit Ausstrahlung zum Unterarm besonders morgens bei Haltevorgängen (manchmal kann schon das Halten der Kaffeetasse starke Beschwerden verursachen). Schmerzen beim Heben von Gegenständen mit gestrecktem Arm, beim Händedruck oder auch nachts in Ruhe. Die Beweglichkeit des Ellenbogengelenks ist nur selten in Streckung eingeschränkt, Nervenreizsymptome wie Elektrisieren, Taubheitsgefühl oder Kribbeln fehlen in der Regel. Verspannungen der Nacken-Schulter-Arm-Muskulatur sowie Blockierungen im  Bereich der Halswirbelsäule können begleitend auftreten.

Die  Therapie besteht zunächst im Einstellen der auslösenden Ursache. Hilfreich sind entzündungshemmende Maßnahmen: Umschläge z.B. nachts mit Quark oder Salben, kurzfristige Gabe von Antiphlogistika (entzündungshemmende Tabletten mit Substanzen wie z.B. Diclofenac, Ibuprofen, Indometacin u.a.), Injektionen an die Sehnenursprünge auch mit verdünnter Cortisonlösung. Partielle Ruhigstellung z.B. mit Zinkleimverbänden ist oft eine günstige Maßnahme, längere Gipsruhigstellungen werden heute eher nicht mehr empfohlen. Die Physikalische Therapie umfasst Ultraschallanwendungen, Lasertherapie, Jontophorese sowie Friktionsmassagen nach Cyriax. Nach Abklingen der akuten Schmerzen sind für Belastungen schützende Bandagen oder Spangen sinnvoll. Zusätzlich sollte ein selbstständiges tägliches Dehnungs- und Muskelkräftigungsprogramm durchgeführt werden. Als alternative oder ergänzende Therapiemaßnahmen kommen die Akupunktur und die Extrakorporale Stoßwellenbehandlung in Betracht. Leider gibt es trotz  Anwendung aller Verfahren oft unbefriedigende Verläufe mit anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden. Hier bietet sich die operative Behandlung an.

Empfehlenswert ist die minimal invasive OP nach Bergmann.


Operationsverfahren

In örtlicher Betäubung wird bei 90 Grad gebeugtem Gelenk nach Durchtrennung der Haut ein Teil der Steckmuskulatur (der kleine Handgelenksstreckmuskel) in einem 2-3 cm langen bogenförmigen Schnitt vom Knochen am Ellenbogengelenk abgelöst. Dadurch kommt es zu einer Entspannung der Muskulatur und der schmerzhafte Knochen wird entlastet. Die Entzündung ist zunächst isoliert und stellt damit die Voraussetzung für die spätere Schmerzlinderung und Ausheilung dar. Die Funktion des Armes, insbesondere die Beweglichkeit des Ellenbogengelenks und die Kraft der Unterarmmuskulatur wird dadurch in aller Regel nicht bleibend beeinträchtigt.

Die Methode nach Bergmann ist gegenüber der klassisch ausgeführten OP dadurch gekennzeichnet, dass sie nur einen Hautschnitt von ca.0,5 cm Länge und eine OP-Dauer von etwa 3 bis 5 Minuten benötigt. Obwohl diese OP bei genauer Kenntnis der anatomischen Strukturen ohne sichtbaren Einblick in das OP-Gebiet erfolgt, ist kaum eine Risiko zu bedenken, da keine relevanten Strukturen im OP-Gebiet liegen, welche langfristig geschädigt werden könnten. Nach Entfernen des unmittelbar nach der Operation entstehenden Blutergusses, wird zur Vermeidung eines größeren Blutergusses ein Druckverband für  1 bis 2 Tage angelegt. Eine Naht ist wegen des kleinen Hautschnitts nicht erforderlich.

  

Mögliche Komplikationen

Den Erfolg seiner Behandlung und ihre Risikofreiheit kann kein Arzt garantieren. Die allgemeinen Gefahren ärztlicher Eingriffe wie Nachblutungen, Infektionen und Verletzungen von Blutgefäßen und Nerven sind dank der Fortschritte der Medizin seltener geworden. Sehr selten sind Verletzungen des Ringbandes um das Speichenköpfchen, welche vorübergehend zu einer schmerzhaften Einschränkung der Ellenbogenbeweglichkeit führen können und in der Regel durch Krankengymnastik zur Ausheilung gebracht werden. Trotz aller ärztlichen Sorgfalt lässt sich eine Erfolgsgarantie nicht geben, das heißt in seltenen Fällen können Schmerzen und oder Missempfindungen zurückbleiben. Selten kann  es zu überschießender Narbenbildung kommen. Häufig das heißt bei etwa 20 bis 30 % der Operationen entwickelt sich ein Serom. Dies ist eine Abkapselung von Wundsekret als prallelastische örtliche Schwellung im Operationsgebiet. Dieses Serom kann durch Punktionen oft aber auch spontan abheilen. Ein vor der Operation bereits bestehender Kraftverlust oder eine Bewegungseinschränkung (z.B. bei Arthrose) sowie ein Sehnenschnappen können durch die Operation nicht behoben werden.

  

Nach der Operation

Der Vorteil des minimal invasiven Eingriffs besteht wegen des erträglichen Wundschmerzes in einer sofortigen Bewegungsfähigkeit des Ellenbogengelenks. Eine Gipsruhigstellung ist nicht erforderlich. Milde Belastungen wie Händedruck, Waschen, Kämmen etc. sind bereits am Tag nach der Operation möglich. Wärmeanwendungen oder Saunagänge sind für 2 Wochen zu vermeiden, da dadurch eine Wundheilungsstörung oder Infektion hervorgerufen werden kann. Am Operationstag selbst sollte der Patient nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen. Die ärztliche Wundkontrolle ist am Tag nach der Operation erforderlich. Arbeitsfähigkeit besteht je nach beruflicher Belastung in der Regel nach etwa 2 bis 6 Wochen.

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