Was bedeutet Wirbelgleiten?

Normalerweise stehen die 7 Hals-, 12-Brust-
und 5 Lendenwirbel mit ihren Vorder- und Hinterkanten schlüssig übereinander wie die Perlen einer Kette. Beim Wirbelgleiten ist ein Wirbel gegenüber dem nach unten folgenden nächsten Wirbel nach vorn verschoben. Es gibt kleinere Verschiebungen um wenige Millimeter aber auch stärkere um mehrere Zentimeter.

Wie kommt es zum Wirbelgleiten?

In der Regel entwickelt sich das nach vorne Gleiten eines Wirbels im frühen Jugendalter. Durcheine angeborene Schwäche oder Fehlform der Wirbelbögen entsteht in ihnen ein Spalt, wodurch der Wirbelkörper sich nach vorn verschieben kann. Begünstigt wird dieser Vorgang durch Belastungen der Wirbelsäule in Hohlkreuzhaltung z.B. bei bestimmten Sportarten (Kunstturnen, Hochsprung, Rhythmische Sportgymnastik), wenn diese intensiv trainiert werden.

Wie lange dauert der Gleitvorgang an?

In der Regel kommt es nach Wachstumsabschluss zu keiner weiteren Zunahme der Wirbelverschiebung. Während des Wachstums muss durch Vermeidung von Hohlkreuzbelastungen und durch eine Kräftigung der Rumpf- insbesondere Bauchmuskulatur einer Verschlechterung entgegengewirkt werden.

Verursacht Wirbelgleiten Schmerzen?

Oft verursacht das Wirbelgleiten in der Jugend keine oder nur geringe Beschwerden. Wenn, dann werden diese häufig durch Hohlkreuzbelastung z.B. im Sport ausgelöst. Im Erwachsenenalter kommen Verläufe mit fehlenden oder geringen Beschwerden vor, es ist aber auch das Auftreten von behandlungsbedürftigen Schmerzen möglich.

Wie kommen Schmerzen beim Wirbelgleiten zustande?

Meist handelt es sich
um eine Überlastung und damit Reizung der Haltekräfte der Wirbelsäule wie Muskeln, Bänder und Gelenkkapseln. In selteneren Fällen kann auch eine Einengung von Nervengewebe zu Schmerzen führen.  

Wie ist die Behandlung des Wirbelgleitens?

Allgemein wird die konservative von der operativen Therapie unterschieden.

a) konservative Behandlungsmaßnahmen:

- stabilisierende Maßnahmen: Grundbehandlung des Wirbelgleitens ist das regelmäßige Training der Rumpfmuskulatur zunächst unter krankengymnastischer Anleitung, später selbstständig auch an Geräten. Bestimmte Sportarten wie Schwimmen (bes. Rücken und Kraul), Radfahren und Walking sind günstig.

Aber auch andere Sportarten sind unter Vermeidung von zu starker Hohlkreuzbelastung möglich. Bei Schmerzen muss manchmal bis zur ausreichenden Kräftigung des Muskelmantels eine leichte Lendenstützbandage bei stärkeren Belastungen verwendet werden. Eine richtige Korsettbehandlung kommt nur bei schweren Formen in Betracht.

- "Prolo" - Therapie: mit glucosehaltigen Injektionen an die Bänder der Wirbelsäule können diese gefestigt werden

- Rückenschultechniken: allgemein Vermeidung von Hohlkreuzbelastung. Keine nächtliche Bauchlage, kein Stehen mit gestreckten Beinen (d.h. ein Bein etwas aufstellen oder ein Bein etwas beugen), keine Schuhe mit hohen Absätzen, keine über Kopf Sportarten u. a.

- zusätzliche Behandlung in Schmerzphasen: Wärmetherapie, Elektrotherapie, Lagerungstherapie (Stufenlagerung), entzündungshemmende, Schmerz bekämpfende Medikamente, Neuraltherapie (schmerzstillende Injektionen direkt an die erkrankten Muskel- und Kapselbandstrukturen), Muskel entspannende Massagen u. a.


b) Operative Maßnahmen:

Zurückversetzung des verschobenen Wirbels und Versteifung mit seinen Nachbarwirbeln. Diese Maßnahmen sind nur sehr selten erforderlich, nämlich bei Schädigung von eingeengtem Nervengewebe oder sonst nicht ausreichend behandelbaren Schmerzen.

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